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Die Busby Babes (1945 - 1969)
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Die Ankunft des Matt Busby (1945 - 1952)

Eine neue und die bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreichste Ära in der Geschichte von Manchester United läutete die Ankunft des Schotten Matt Busby ein. Gerade einmal 36 Jahre alt, trat der eigenwillige Schotte am 1. Oktober 1945 seinen Dienst als Manager bei Manchester United an. Schnell wurde klar, dass dieser Mann, der als Spieler bei Manchester City und Liverpool F.C., den größten Rivalen der United, gespielt hatte, völlig neue Wege gehen würde. Doch die Zeit drängte, denn Louis Rocca, der mit Matt Busby eine intensive Freundschaft seit 1930 pflegte, erfuhr das Liverpool dem schottischen Manager bereits ein Angebot unterbreitet hatte.

Matt Busby re. (Foto: Leslie Millman)

Louis Rocca, der bereits 1930 versucht hatte als Chefscout und Co-Manager den Schotten, der damals noch als aktiver Spieler für Manchester City auflief, zu verpflichten, schrieb seinem langjährigen Freund sofort einen Brief, in dem er ihm mitteilte das er einen „Job“ für ihn bei United hätte. Diese wage Bezeichnung ist der Tatsache geschuldet, dass man bei United fürchtete der Brief könnte in die Hände des Liverpool F.C. fallen. Bei dem legendären Treffen in Trafford Park stellte Matt Busby für diese Zeit sehr ungewöhnliche Forderungen. So bestand er darauf, dass nur er selbst die Spieler aufstellen werde, nur er neue Spieler verpflichten dürfe und dass nur er die Mannschaft trainieren werde.

 

Auch den angebotenen Drei-Jahres-Vertrag lehnte der eigenwillige Schotte ab und brachte den damaligen Vorsitzenden von Manchester United, James W. Gibson dazu, ihm einen Fünf-Jahres-Vertrag  zu unterbreiten.

Bereits in den ersten Wochen kristallisierte sich heraus, dass man mit Matt Busby einen Manager unter Vertrag genommen hatte, der bereit war neue Wege zu gehen und seiner Zeit weit voraus war. So war er bspw. der erste Manager der während des Trainings auf dem Spielfeld bei seinen Spielern zu finden war. Er begann auch damit ein gut durchdachtes System zur Jugendförderung einzuführen, was sich in späteren Jahren auszahlen sollte. Eine seiner ersten Handlungen war die Verpflichtung des ehemaligen Celtic Spielers Jimmy Delaney. Zusammen mit John Aston, Jack Rowley und Charlie Mitten, die bereits für United spielten, bildeten sie das Herz der Mannschaft für die kommenden Jahre.

Die ersten Erfolge ließen auch nicht lange auf sich warten. Als die Football League in der Saison 1946/47 wieder ihren Spielbetrieb aufnahm platzierte man sich am Ende als Zweiter hinter dem Arsenal F.C.. Dies konnten Matt Busby und seine Spieler in den folgenden beiden Jahren erneut wiederholen und 1948 folgte mit dem erneuten Gewinn des FA Cups der erste von vielen weiteren Titeln in der neuen Ära von Manchester United. Das glanzvolle 4-2 gegen die Blackburn Rovers im FA Cup Finale beendete die 37-jähirige Durststrecke für Manchester United und so wanderte einer der wichtigsten Pokale im englischen Vereinsfußball wieder in die Hände von Manchester United.

 

Erneute Meisterschaften und die Geburt der Busby Babes (1952 - 1958)

Der erste Meistertitel seit 41 Jahren wurde 1952, folgerichtig auch nicht nur einfach gewonnen, sondern kam wie ein spielerisches Feuerwerk daher. Unter der Führung von Johnny Cary traf die Mannschaft von Matt Busby am 26. April 1952, dem letzten Spieltag, im wieder bespielbaren Old Trafford auf den Arsenal F.C., der in der Tabelle lediglich einen Punkt hinter United lag. Doch vor 53.651 begeisterten Zuschauern wurden die Londoner mit 6-1 durch Tore von Rowley (3), Pearson (2) und Byrne (1), regelrecht demontiert.

Man Utd. 1958 (Foto: Leslie Millman)

Während andere Teams bei der Erneuerung ihrer in die Jahre gekommenen Teams große Summen für neue Spieler ausgaben, setzte Matt Busby immer konsequenter auf die Jugend. Matt Busby begann damit, ein straffes Netz von Scouts aufzubauen, die im Land nach jungen Talenten Ausschau halten sollten, darunter waren Joe Armstrong (Nordengland), Billy Behan (Dublin) und Bob Bishop (Belfast), der bald das größte Talent von allen entdecken sollte. Das junge Team, mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 22 Jahren, zahlte das Vertrauen das Matt Busby in sie setzte mehr als zurück, denn die Meisterschaften 1955/56 und 1956/57 gingen ebenfalls nach Manchester.

 

Nur Roger Byrne und Johnny Berry waren vom Meisterschaftsteam 1952 übrig geblieben, so konsequent erstsetzte Matt Busby die Abgänge durch Jugendtalente. Aufgrund ihres Alters und dem guten Händchen ihres Managers wurde das junge Team aus Manchester fortan in den Medien die „Busby Babes“ genannt. Rückblickend werden diese beiden Meisterschaften als die Geburtsstunde der „Busby Babes“ bezeichnet, jedoch bekamen Spieler wie Duncan Edwards, Dennis Violet, Bill Foulkes und David Pegg bereits 1952/53 die Chance sich zu beweisen. Die Ereignisse von 1955-57 waren nicht zuletzt nur das Ergebnis einer langjährigen und konsequenten Arbeit.

Gegen den Willen der Football League nahm Manchester United als erstes englisches Team 1956/57 am neu gegründeten Europapokal teil und gelangte, nachdem man Anderlecht, Dortmund, Bilbao eliminiert hatte ins Halbfinale, wo man jedoch gegen Real Madrid mit 1-3 (Auswärts) und 2-2 (Heim) ausschied. Dennoch waren sich die Fußballexperten in England und Europa einig, dass dieser jungen Mannschaft um Edwards, Charlton, Pegg, Whelan u.v.a. die Zukunft gehören und sie ein goldenes Zeitalter in Europa einläuten würden. Doch diese Prognosen wurden durch die größte Katastrophe in der Geschichte von Manchester United zunichte gemacht.

 

Munich Air Disaster und der Wiederaufbau (1958 - 1963)

Manchester United spielte am 5. Februar 1958 im Rückspiel des Viertelfinals des Europapokals gegen Roter Stern Belgrad in Belgrad 3-3 und war damit erneut ins Halbfinale eingezogen. Am nächsten Tag sollte die Mannschaft nach Manchester zurückreisen und zunächst verlief der Flug der British European Airways 609 planmäßig. Wie geplant setzte die Maschine gegen 13:15 Uhr zur Landung auf den Flughafen München Riem an,  um nachzutanken. Die Wetterverhältnisse waren zu diesem Zeitpunkt bereits schlecht als der Tower um 14:19 Uhr die Startfreigabe erteilte.

Munich Air Disaster (Foto: Brian Skahan)

Nach zwei erfolglosen Startversuchen registrierten die Piloten eine Schwankung in der Leistungsfähigkeit eines Motors und mussten den Startvorgang abrechen. Zu diesem Zeitpunkt begann es heftig zu schneien, so das der Start weiter erschwert wurde. Gegen 14:59 Uhr rollte die Maschine erneut auf die Startbahn, um einen weiteren Versuch zu unternehmen und vier Minuten später, um 15:03 Uhr, begann die Maschine den erneuten Startvorgang. Doch die Maschine bekam nicht genug Schub, so dass sie am Ende der Landebahn völlig außer Kontrolle geriert, den Zaun des Flughafens durchbrach, um dann mit einem Haus zu kollidieren.

 

 

Bei dieser Flugzeugkatastrophe kamen 21 Menschen ums Leben, Cpt. Kenneth Rayment (Co-Pilot), Tom Cable (Steward), Geoff Bent (Spieler), Liam Whelan (Spieler), Roger Byrne (Spieler), Tommy Taylor (Spieler), Eddie Colman (Spieler), David Pegg (Spieler), Duncan Edwards (Spieler), Mark Jones (Spieler), Walter Crickmer (Club Secretary), Tom Curry (Coach), Bert Whalley (Chief Coach), Eric Thompson (Reporter, Daily Mail), Alf Clarke (Reporter, Manchester Evening Chronicle), Frank Swift (Reporter, News of the World), Donny Davies (Reporter, Manchester Guardian), Henry Rose (Reporter, Daily Express), George Follows (Reporter, Daily Herald), Archie Ledbrooke (Reporter, Daily Mirror), Tom Jackson (Reporter, Manchester Evening News), Willie Satinoff (Fan und Freund von Matt Busby) und Bela Miklos (Reiseberater).

Gedenktafel (Foto: Andrew Burgess)

Nach dem schlimmsten Ereignis in der Geschichte von Manchester United und des englischen Fußballs, übernahm Matt Busbys Assistent Jimmy Murphy für den Rest der Saison die Geschicke des geschockten Teams. Der Manager Matt Busby selbst war schwer verletzt und musste über zwei Monate im Krankenhaus verbringen, ehe er entlassen werden konnte. Die Spieler Jackie Blanchflower und Johnny Berry mussten aufgrund ihrer schwerwiegenden Verletzungen ihre Karriere beenden, noch bevor sie eigentlich hätte beginnen sollen. Kenny Morgans hatte sich als jüngster Spieler mit gerade einmal 18 Jahren in die Stammelf gespielt, doch er fand nach der Katastrophe nie wieder zu seiner alten Form zurück.

 

Trotz dieser schlimmen Ereignisse, spielten die Busby Babes die Saison zu Ende, zwar verloren sie das Halbfinale des Europapokals, deutlich, gegen den AC Mailand, rutschten auch in der Liga auf Platz 9 ab, doch diese Ergebnisse rückten, angesichts der Katastrophe die zahlreiche Menschenleben gefordert hatte, deutlich in den Hintergrund.

In den folgenden Jahren begann der wieder genesene Matt Busby mit dem Neuaufbau der Mannschaft von Manchester United, in dessen Verlauf Spieler wie Maurice Setters, Denis Law, Alber Quxall, Noel Cantwell und Pat Crerand nach Manchester kamen. Doch der Wiederaufbau gestaltete sich schwierig und Manchester Uniteds Form war extrem schwankend, so erinnerten sie in einem Spiel an die glanzvollen Leistungen früherer Tage, um im nächsten Spiel wieder in einen lethargischen Zustand zu verfallen. So landete man am Ende der Saison 1962/63 auf einem enttäuschenden 19. Platz, doch gerade in dieser schwierigen Zeit konnte United dennoch glänzen und holte im FA Cup Finale gegen Leicester City zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte den FA Cup nach Manchester.

 

Die Geburt der Red Devils und ein 'Genius' (1963 - 1969)

Der Name „Busby Babes“ geriet zunehmend in Vergessenheit, zumal dieser Name angesichts der Katastrophe von München nicht mehr angebracht schien. Es war Matt Busby selbst, der seinem Team einen neuen Namen gab, die „Red Devils“, inspiriert durch ein Rugby Team aus Salford, die in den 30er Jahren durch Frankreich tourten und die aufgrund ihrer roten Trikots als „Red Devils“ bekannt wurden. Der schottische Manager von Manchester United mochte laut eigener Aussage den Klang dieses Namens, da er für den Gegner wesentlich gefährlicher klänge als „Busby Babes“.

Manchester United begann daraufhin den roten Teufel in ihre Stadionzeitschriften und Fanutensilien einzubauen, was letzten Endes dazu führte, dass 1970 bei der Überarbeitung des Clublogos der rote Teufel fester Bestandteil von Manchester United wurde. Doch trotz der schwankenden Leistungen sollte das Jahr 1963 ein Jahr werden an das sich viele United Fans gerne erinnern werden. Besaß man mit Dennis Law und Bobby Charlton zwei Akteure der Weltklasse, so kündigte sich bereits der nächste Spieler von Weltformat an. In einem Telegram schrieb Bob Bishop, Scout von Manchester United, an Matt Busby folgenden Satz: „ I think I’ve found you a genius“.

Damit war kein geringerer gemeint als George Best, der von seinem Heimatverein Glentoran abgeschoben wurde, da er für zu leicht und zu klein befunden wurde. George Best erhielt ein Probetraining und wurde anschließend von Joe Armstrong, dem Chefscout von United, sofort unter Vertrag genommen. Mit gerade einmal 17 Jahren gab George Best am 14. September 1963 gegen West Bromwich Albion sein Debüt. Zusammen mit Dennis Law und Bobby Charlton sollte er in den kommenden Jahren den Kern der Mannschaft bilden und eine neue Ära begründen.

Man. United 1963 (Foto: Leslie Millman)

Die Saison 1963/64 brachte den Red Devils dann ihre alte Stärke und Konstanz wieder. Dennis Law kam auf sagenhafte 46 Tore in allen Wettbewerben und Manchester United landete hinter dem Rivalen aus Liverpool auf dem zweiten Platz. Nur ein Jahr später konnte die wieder erstarkte United endlich den Meistercup in den Himmel von Manchester recken. Punktgleich mit den „Peacocks“ (Leeds United) lag man nach dem letzten Spieltag nur aufgrund der besseren Tordifferenz vorne, dies tat der Freude über den 6. Meisterschaftserfolg jedoch keinen Abbruch.

 

 

Großen Anteil am Erfolg der Red Devils hatte wieder einmal Dennis Law der in der Liga auf 28 Treffer kam und insgesamt 39mal für Manchester traf und damit auch entscheidend zur atemberaubenden Serie von 13 Siegen (September bis Dezember 1964) in 15 Spielen beitrug.

Matt Busby hatte sein Ziel des Wiederaufbaus erreicht, mit Bobby Charlton und Bill Foulkes spielten die letzten Überlebenden von München in den Reihen der Red Devils. Doch noch sollte der Höhepunkt der Red Devils in den 60ern nicht erreicht sein. Manchester United konnte in der Folgezeit seine Vormachtstellung weiter ausbauen und gewann in der Saison 1966/67 nach einer Serie von 20 Spielen ohne Niederlage erneut den nationalen Ligatitel.

Mit diesem Titel legte man zugleich den Grundstein für den ersten internationalen Titel von Manchester United, denn nachdem man in der folgenden Saison 1967/68 im Europapokal zunächst die Hibernians, Sarajevo, Zabrze und Real Madrid ausgeschaltet hatte, besiegte man im Finale am 29. März 1968 Benfica Lissabon mit dem legendären Eusebio und gewann als erstes englisches Team überhaupt den Europapokal. Aufgrund seiner zahlreichen Verdienste wurde Matt Busby kurze Zeit nach dem ersten europäischen Triumph zum Ritter geschlagen. Sir Matt Busby trat ein Jahr nach dem Sieg im Europapokal in der Saison 1968/1969 vom Posten des Teammanagers zurück um von nun an die Geschicke des gesamten Vereins als General Manager zu lenken. Damit endete eine der zugleich erfolgreichsten aber auch tragischsten Abschnitte in der Geschichte der Red Devils. 

 


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