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Denis Law - United Trinity
Geschrieben von: Thorsten H.    Mittwoch, 08. September 2010    Drucken E-Mail

Denis Law, der Vollstrecker

Betrachtet man die Topscorer in der Geschichte von Manchester United, so belegt der Schotte Denis Law hinter Sir Bobby Charlton den zweiten Platz mit 237 Treffern. Doch eine genauere Betrachtung lohnt sich, denn sie skizziert ein fast schon ultimatives Ideal eines Spielers der für seine 237 Treffer lediglich 404 Spiele im Trikot von Manchester United benötigte.

Denis Law (Foto: Bernt Rostad)

Zusammen mit Sir Bobby Charlton und George Best bildete Denis Law in den 60er Jahren eine Offensivgewalt die ihresgleichen suchte. Und wenn Sir Bobby Charlton der Kopf der Mannschaft war, George Best ihr Künstler, so war Denis Law der eiskalte Vollstrecker. Und in der Tat ist und bleibt Europas Fußballer des Jahres 1964 bis heute ein Phänomen, ein Spieler der Instinkt und Präzision vereinte und dessen Nimbus als "König von Stretford End" nur von dem Franzosen Eric Cantona erreicht wurde. Auch England und Schottland zollten diesem großartigen Spieler ihren Respekt indem Law in die English Fottball Hall of Fame aufgenommen und als bester schottischer Spieler der letzten 50 Jahre als Golden Player ausgezeichnet wurde.

 

Kindheit des King of Streford End

Der King oder Lawman, wobei beides sehr passende Namen für den Mittelstürmer waren, wurde am 24. Februar 1940 in Aberdeen, Schottland als Sohn von George Law, einem einfachen Fischer und seiner Frau Robina geboren.

Denis Law wuchs zusammen mit seinen 6 Geschwistern in sehr bescheidenen Verhältnissen auf und begann bereits als großer Fußballfan im Allgemeinen und als Fan des Aberdeen FC im Speziellen schon in frühen Jahren damit seine Fußballschuhe zu schnüren.

Oft gab Denis Law sein ganzes Geld für seine große Liebe, den Fußball aus und ging sooft es ihm möglich war zu den Spielen der Dons, wie der Aberdeen FC genannt wird. Hatte er kein Geld, was oft genug der Fall war, so hielt ihn dieser Umstand keineswegs vom Fußball fern, sondern besuchte Spiele von örtlichen Teams die keinen Eintritt verlangten.

Sein fast schon obsessives Verhalten in Bezug auf Fußball lies ihn auch, ähnlich wie bei George Best, einen Platz in der Aberdeen Grammar School ablehnen, da diese Schule hauptsächlich Rugby spielte. Stattdessen besuchte Denis Law die Powis Academy und offenbarte bereits in seinen jungen Jahren ein großes Talent für den von ihm so geliebten Ballsport.

 

Erste Schritte bei Huddersfield Town

Im Jahr 1954 wurde er schließlich von Archie Beattie einem Scout in Diensten von Huddersfield Town entdeckt der den schmächtigen Angreifer zu einem Probetraining einlud. Doch seine erste Reise nach England verlief alles andere als erfolgreich, denn Andy Beattie der damalige Trainer und Bruder des Scouts von Huddersfield Town beurteilte den jungen Schotten als wenig hoffnungsvolles Talent. Schwach und kümmerlich sollen die Worte gewesen sein, die der Trainer für Denis Law gewählt hatte.

Doch zu Laws großer Überraschung nahm ihn Huddersfield am 3. April 1955 dennoch unter Vertrag. Während der Zeit in Huddersfield unterzog sich Denis Law einer Augenoperation die seine Augenfehlstellung, unter der er seit seiner frühesten Kindheit gelitten hatte, behob. Da Huddersfield gerade in die Second Division abgestiegen war, erhöhten sich zugleich die Chancen des jungen Schotten die ersten, so wichtigen Praxiserfahrungen zu sammeln.

Streford End (Foto: Sean MacEntee)

Am 24. Dezember 1956, im Alter von nur 17 Jahren debütierte Denis Law beim 2-0 Sieg von Huddersfield Town gegen Notts County. Seine Einsätze mehrten sich in der Folgezeit und so bot Matt Busby für Denis Law die stolze Summe von £10.000, der Club lehnte jedoch das Angebot ab. Seinen Feinschliff bekam Denis Law durch Bill Shankly der von 1956 bis 1959 Trainer in Huddersfield Town war, der aus dem noch unerfahrenen Angreifer ein Spieler mit enormen Durchsetzungsvermögen formte. Bis 1960 absolvierte Denis Law 81 Pflichtspiele für Huddersfield und erzielte dabei 16 Tore.

 

 

In die Zeit bei Huddersfield fiel auch Laws Länderspieldebüt am 18. Oktober 1958 gegen Wales, bei dem er sogleich von sich reden machte als er das vorentscheidene 2-0 für Schottland erzielen konnte. Als Bill Shankly im Sommer 1959 Huddersfield Town verlies und in Liverpool anheuerte, hätte er gerne Denis Law mitgenommen, dies scheiterte jedoch an der klammen finanziellen Situation an der Merseyside.

 

Wechsel zu Manchester City

Stattdessen wechselte Denis Law im März 1960 für die Rekordablösesumme von £55.000 zu Manchester City. Sein Debüt für die Citizens machte Denis Law am 19. März 1960 beim 3-4 gegen Leeds United, bei dem ihm immerhin ein Tor gelang. Doch richtig glücklich wurde Law bei Manchester City nicht, denn trotz seiner zahlreichen Tore entging der Club nur haarscharf dem Abstieg, durch einen 4-1 Sieg gegen Aston Villa, bei dem Law gleich doppelt traf. Trotz seiner frühen Abwanderungsgedanken spielte Denis Law groß auf, erzielte unter anderem unglaubliche 6 Tore im FA Cup gegen Luton Town, unglücklicherweise wurde das Spiel abgebrochen, so dass seine 6 Tore nicht gewertet wurden.

 

Die Zeit in Italien

Zur Saison 1961/62 verlies Denis Law Manchester City wieder, diesmal in Richtung Italien, genauer gesagt nach Turin. Doch die Zeit in Italien war für Denis Law alles andere als zufriedenstellend. Zunächst versuchte Inter Mailand Law am spielen zu hindern in dem sie behaupteten einen Vorvertrag mit ihm geschlossen zu haben, um diese Behauptung dann kurz vor Beginn der Saison wieder zurückzuziehen.

Sir Matt Busby (Foto: Bernt Rostad)

Auf dem Rasen hatte Law große Probleme sich mit der italiensichen Art des Fußballs (Catenaccio wurde immer populärer) anzufreunden, als Stürmer bekam er nicht die Chancen die er von der Insel gewohnt war. Dennoch gelangen ihm in 27 Einsätzen für Turin immerhin 10 Tore. Nach einem schweren Autounfall bei dem sein Freund und Teamkamerad Joe Baker getötet wurde, wollte Denis Law Turin nun endgültig wieder verlassen, was ihm jedoch verweigert wurde. Stattdessen wurde Law systematisch ins Abseits gedrängt. Bei einem Spiel gegen Neapel soll der Trainer von Turin, Beniamino Santos, den Schiedsrichter veranlasst haben Law vom Feld zu stellen, da Denis Law entgegen der Anweisungen des Trainers im Spiel einen Einwurf gemacht hatte.

Nach diesem Vorfall war das Tischtuch endgültig zerschnitten und ihm wurde mitgeteilt, dass er zu Manchester United wechseln könne.

Doch auch die letzte Episode in Italien verlief alles andere als unproblematisch für den schottischen Stürmer, denn nur Tage später sollte Law zu Juventus wechseln, da eine Klausel in seinem Vertrag Juventus eine Kaufoption einräumte. Doch Denis Law erkannte schnell die Lücke im Vertrag und flog zurück nach Aberdeen, wohlwissend dass Turin keinen Cent bekäme, sollte er sich weigern für Juventus zu spielen.

 

Denis Laws Aufstieg bei Manchester United

Nach dieser kurzen und insgesamt sehr enttäuschenden Episode in Italien bekann am 10. Juli 1962 mit der Vertragsunterschrift bei Manchester United das wohl erfolgreichste Kapitel in Laws Karriere. Sein Debüt im Trikot von Manchester United fand am 18. August 1962 gegen West Bromwich Albion statt und der schottische Angreife erwischte einen absoluten Traumstart. Ganze 7 Minuten benötigte Law für seinen ersten Treffer für Manchester United, gegen Manchester City am 15. September 1962 gelangen ihm seine Treffer 2 und 3 in der Liga für Manchester United.

Man Utd. 1963 (Foto: Leslie Millman)

Ganze 4 Treffer waren es dann schon gegen Ipswich Town und gegen Leicester City gelang Denis Law sein erster Hattrick für sein neues Team. Trotz der Tatsache, dass United die Saison über die Konstanz suchte, war die erste Spielzeit für Denis Law sehr erfolgreich, er wurde mit 23 Treffern in der Liga auf Anhieb Topscorer von Manchester United  und 6 weitere Treffer erzielte er in den übrigen Wettbewerben. Besser lief es für Law und Manchester United im FA Cup, nachdem Law mit 3 Treffern quasi im Alleingang seinen alten Club Huddersfield Town ausgeschaltet hatte, traf Law auch im Finale gegen Leicester City beim 3-1 Sieg von Manchester United, es sollte Laws einzige FA Cup Finalteilnahme bleiben.

 

Die folgende Saison verlief für Manchester United in der Liga deutlich besser, was nicht zuletzt auch den 30 Treffern von Denis Law zu verdanken war, insgesamt erzielt Law in seiner zweiten Saison bei Manchester United 46 Tore.

 

Ehrung als Europas Fußballer des Jahres

Aufgrund seiner herausragenden Leistungen wurde Denis Law in die Weltauswahl berufen die gegen England 1964 mit 1-2 unterlag und bei dem er das einzige Tor der Weltauswahl erzielen konnte. Die folgende Saison 1964/65 brachte für Denis Law nicht nur seine erste Meisterschaft und zahlreiche weitere Tore, sondern auch die Auszeichnung zum Europas Fußballer des Jahres sowie die englische Torjägerkrone mit 28 Treffern in der First Division.

Der mittlerweile 25jährige Schotte war nun zum absoluten Star herangereift, musste aber im folgenden Jahr einen herben Rückschlag hinnehmen als er sich beim Länderspiel gegen Polen am 21. Oktober 1965 sein rechtes Knie schwer verletzte, diese Verletzung sollte ihm fortan immer wieder zu schaffen machen.

United Trinity (Foto: Austin Osuide)

Aufgrund seiner zahlreichen Tore und Verdienste rund um den Club verlangte Denis Law von Matt Busby eine Gehaltserhöhung andernfalls würde er wechseln. Die Antwort des schottischen Trainers lies auch nicht lange auf sich warten, doch anders als von Law beabsichtigt fand er sich kurzerhand auf der Transferliste wieder. Matt Busby soll dies mit den Worten "Kein Spieler wird diesen Klub erpressen, nicht ein einziger" kommentiert haben. Als Law daraufhin das Gespräch mit Matt Busby suchte zog dieser kommentarlos eine von ihm verfasste Entschuldigung hervor und gebot ihm diese zu unterschreiben. Dies tat Denis Law auch, merkte dazu aber in späteren Jahren an, dass er seine Gehaltserhöhung dennoch erhalten habe und Matt Busby diesen Vorfall nur genutzt habe um andere Spieler vor den Konsequenzen zu warnen.

 

Triumph im Europapokal ohne Denis Law

An der Meisterschaft 1966/67 war Denis Law mit seinen 23 Treffern in der Liga erneut in großem Maße beteiligt, verpasste aber aufgrund der Knieverletzung in der folgenden Saison sowohl das Halb- als auch das Finale des Europapokals, dass Manchester United durch ein 4-1 gegen Benfica Lissabon gewinnen konnte. Nach dem großen Triumph im Europapokal und einer durchwachsenden Saison 1968/69 verlies Matt Busby, inzwischen zum Ritter geschlagen, Manchester United am Ende der Saison.

Die Zeit nach Matt Busby war auch für Denis Law weniger erfolgreich, da er fast die komplette Saison 1969/70 verletzungsbedingt ausfiel. Zwar gelangen ihm in der folgenden Saison noch 12 Tore, doch seine große Zeit schien sich nun unabwendbar dem Ende zu nähern, zumal er 1972/73 wieder mit Knieproblemen lange Zeit ausfiel. Denis Law empfahl als Ersatz für den erfolglosen Frank O'Farrell den Schotten Tommy Docherty, den er gut aus seiner Zeit in der Nationalmannschaft kannte, dieser Empfehlung folgte Manchester United und stellte Docherty als neuen Trainer ein.

Eben dieser Docherty war es der Denis Law dann im Sommer 1973 nach 11 Jahren bei Manchester United auf die Transferliste setzte und Law somit die Möglichkeit gab noch einmal für einen anderen Verein zu spielen. Nach 404 Spielen und 237 Toren für die Red Devils verabschiedete sich Denis Law von jemen Club bei dem er so große Erfolge gefeiert hatte.

 

Denis Law besiegelt den Abstieg von Manchester United

Die Wahl von Denis Law fiel leider auf Manchester City, leider, zum einen weil es gerade der Rivale sein musste und zum anderen weil es ausgerechnet Denis Law, "The King" wie er von den Fans genannt wurde, war der durch sein 1-0 gegen Manchester United am vorletzten Spieltag den Abstieg der Red Devils in die Scond Division besiegelte.

United Trinity (Foto: Ryu Voelkel)

Das sein Tor den sicheren Abstieg von United bedeutete war Denis Law nur allzu klar und daher feierte er seinen Treffer nicht, sondern wurde sofort nach dem Treffer ausgewechselt. Mit hängendem Kopf verlies die United Legende das Feld, vielleicht mag es ihn im Nachhinein getröstet haben, dass Manchester United auch bei einem Remis sicher abgestiegen wäre. "In meinem ganzen Leben habe ich mich nie so elend gefühlt wie an diesem Tag, 19 Jahre lang habe ich alles gegeben um Tore zu schießen und ausgerechnet mein letztes war eines was ich besser nicht hätte erzielen sollen." soll der Schotte nach dem Spiel gesagt haben.

 

 

Dieser 1-0 Sieg gegen seinen alten Klub Manchester United sollte auch das letzte Spiel seiner Karriere im Vereinsfußball gewesen sein, aber nicht das letzte in der Nationalmannschaft. Denn für die WM 1974 in Deutschland wurde Law für Schottland nominiert und absolvierte bei dieser WM gegen Zaire sein letztes Spiel. Nach 55 Spielen für Schottland und 30 Toren trat er auch aus der Nationalmannschaft zurück.

 

Die Zeit nach dem Fußball und weitere Ehrungen

Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete Denis Law als Kommentator für Radio und TV, eine Tätigkeit der er bis heute noch nachgeht. Denis Law lebt noch heute mit seiner Frau Diana, die er 1962 ehelichte, in Manchester. Seine Tochter Diana, eines von 5 Kindern, folgte in gewisser Weise den Spuren ihres Vaters und arbeitet heute für Manchester United.

Stretford End (Foto: Nimrod Perez)

Im Jahr 2002 wurde Denis Law in die English Football Hall of Fame aufgenommen, kurz zuvor wurde bereits eine 3 Meter hohe Statue von Denis Law mit dem Titel "King of Streford End" in der oberen Ebene von Streford End, der heutigen West Tribüne enthüllt. Im November 2003 musste Denis Law sich einer Operation unterziehen, da der Schotte an Prostatakrebs erkrannt war, die er aber gut überstand. Am 28. Mai 2008 wurde Denis Law zudem durch die Enthüllung der Bronzestatue 'United Trinity' vor der Osttribüne, die Best, Law und Charlton darstellt, geehrt. Anfang des Jahres übernahm Denis Law die Aufgaben des verstorbenen Sir Bobby Robson in der Stiftung "Football Aid".

 

 

Denis Law, eine Legende von Manchester United

Denis Law ist einer jener Spieler gewesen dessen Geschichte untrennbar mit der von Manchester United verwoben war und hat sich in seinen 11 Jahren bei Manchester United einen besonderen Platz im Herzen der Fans erspielt. Nicht zu unrecht trägt der symphatische Schotte den Titel King of Stretford End.

Seine Hingabe und sein Instinkt werden wohl für immer unvergessen bleiben, doch vielmehr als das symbolisiert Law zusammen mit Best, dem er 2005 am Krankenbett das letzte Geleit gab, und Charlton das United einer ganzen Dekade. So sehr sich diese drei Spieler auch unterschieden haben mögen, so sehr haben sie sich zu dem ergänzt was wir heute in der Retroperspektive wahrnehmen.

Denn Denis Law war weit mehr als der eiskalte Vollstrecker, mehr als congenialer Partner von Best und Charlton, er war und ist bis heute ein Teil von Manchester United und seiner Fans.    

 
 
 
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